Japans Online-Handel boomt in der Rezession
Konitschiwa, an das denken die meisten, oder zumindest ich, wenn ich Japan höre. Aber gerade in der Rezession haben sich die Japaner wieder einmal rasant weiterentwickelt. Dass sie sich im Bereich des Elektronikmarktes gut auskennen und neue Trends setzen, wissen wir seit eh und je.
Aber bisher verkauften sie all diese Produkte noch weitestgehend auf klassischen Wegen. In der Finanzkrise gingen die Verkäufe in den Läden zwar etwas zurück, doch dafür gab es bei dem Online-Handel eine Steigerung von 22 Prozent. Durch das mobile Internet ergeben sich immer mehr Möglichkeiten, die Produkte anzubieten und die Bestellabwicklungen zu beschleunigen.
Nach den Zahlen der Japan Direct Marketing Association und des Nomura Research Institute (NRI) schätzt der Nikkei Daily, dass Online-Einkäufe in diesem Jahr ein Volumen von 67,2 Milliarden US-Dollar (46,6 Milliarden Euro) erreichen. Im Gegensatz zum Vorjahr sind das die bereits erwähnten 22 Prozent. Addiert man die Katalogbestellungen dazu, steigen die Ausgaben auf 86 Milliarden Dollar.
Wenn man sich diese Zahl vor Augen führt, sind das insgesamt gesehen mehr, als in allen japanischen Geschäften “offline” ausgegeben wird.
Die Japaner, genauer gesagt die Geschäftsleute träumen schon in neuen Dimensionen. So schätzt man, dass man alleine durch den E-Commerce Bereich rund 2,2 Billionen US Dollar erwirtschaften kann. Eigentlich unvorstellbar, aber bei einer Bevölkerungszahl von 127.417.244 Einwohnern gar nicht mal so unrealistisch in den Augen der Japaner.
Der Online-Boom, der gerade in Japan herrscht, wird von den Leuten als “Sugomori” beschrieben. Das hat nichts mit Sumoringen zu tun wie man meinen könnte, sondern heißt übersetzt “Hühner im Nest” und beschreibt ein klein wenig die Lebenseinstellung der Menschen! Denn was auch festgestellt wurde ist, dass die Menschen mittlerweile wesentlich bequemer geworden sind und sich nicht mehr so viel vor die Türen begeben. Das hat nicht nur mit Faulheit zu tun, sondern die Menschen sagen sich, dass sie so mehr Geld sparen würden, da sie nicht jedes mal der Versuchung widerstehen müssten, etwas zu kaufen.
Diese Argumentation der Japanischen Wirtschaftsexperten verstehe ich persönlich zwar nicht so ganz, da man meiner Meinung nach auch im Internet den Menschen immer wieder neue Angebote unterbreiten kann. Aber nun gut, lässt sich drüber streiten.
Ein weiterer Faktor für den boomenden Online-Handel sind die Lieferdienste. Sie bieten häufig an, die Waren innerhalb von zwei Stunden nach Kundenwunsch zu liefern. In den meisten Fällen kann das sogar eingehalten werden. Bei dem Weihnachtsgeschäft wird das wohl eher schwieriger. Nur wie das mit dem Umtauschrecht aussieht, hat man sich noch nicht ganz so gut überlegt. Angeblich soll es einige geben, die sich ganze Lieferwagen nach Hause kommen lassen und dann erst einmal eine kleine Anprobe durchführen.
Aber auch bei den Zahlungsbedingungen kommen japanische Firmen den Kunden entgegen. Diejenigen, die nicht so gerne ihre Kreditkartennummer im Web hinterlassen wollen, haben auch die Möglichkeit, per Nachname zu zahlen! Nicht selbstverständlich, aber dafür ein wichtiger Faktor, für das boomende Online Geschäft.